Social-Media-Verbot


Im Herbst 2026 soll es künftig ein Social-Media-Verbot für Unter-14-jährige in Österreich geben und auch in Deutschland wird aktuell über ein solches Verbot diskutiert. Anlässlich der Aktualität, möchten wir als Medienwerkstatt nun Stellung zu diesem Vorhaben beziehen.

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Es ist nicht zu leugnen, der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. Heutzutage nutzen weltweit gut 93% der 10-18 jährigen Kinder social media regelmäßig. Studien zufolge nutzen mehr als 25% der Kinder und Jugendlichen soziale Medien krankhaft oder riskant und über zwei Millionen Kinder sind von Cybermobbing betroffen. Bei diesen erschütternden Zahlen liegt es nahe, den Medienkonsum gerade von jungen Menschen einzugrenzen. Doch ist es ein Verbot, das all die Probleme nun lösen wird?

In Australien wurde bereits Ende 2025 ein Social-Media-Verbot für Unter-16-jährige eingeführt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass einige Kinder dieses Verbot mit Hilfe eines zweiten Handys oder VPN umgehen können. Sind diese Kinder schon so süchtig, dass man sie überhaupt nicht mehr unter Kontrolle hat? Oder braucht es vielleicht heutzutage einfach eine digitale Form von Kommunikation? Social Media ist für Kinder und Jugendliche mehr als nur Unterhaltung. Freundschaften und sozialer Austausch sind wichtige Bestandteile für Entwicklungsprozesse und spielen sich heute häufig online ab. Das Internet ist für viele eine Art Rückzugsort. Digitale Kommunikation ist nicht nur reine Ablenkung, sondern kann auch stabilisierend wirken und notwendig sein. Ein Verbot würde all das einschränken und soziale Teilhabe verhindern. Zudem sind Probleme wie Mobbing, Ausgrenzung oder Gruppendruck keine rein digitale Phänomene und sind auch in analogen Kontexten relevant. Ist ein Social-Media-Verbot nun ausreichend?

Soziale Medien sind riskant und bringen viele Gefahren mit sich, aber sie sind auch Rückzugsort, Raum des Austauschs, creative-space und Lernort für viele Kinder und Jugendliche. Ein Verbot allein ist nicht die Lösung. Im Gegenteil, die Jugendlichen sehnen sich nach diesem Ort und finden eine Lösung dieses Verbot zu umgehen. Das eigentliche Problem – fehlende Aufklärung, respektloser Umgang, riskante Mediennutzung – ist durch ein Verbot nicht gelöst. Die Gefahr eines Verbots ist es, dass Jugendliche, sobald sie einen Zugang zu sozialen Medien haben, diese naiv und unreflektiert nutzen. Es braucht also viel mehr Aufklärung. Bei all den komplexen Themen, die auf Jugendliche einwirken, dürfen sie nicht alleine gelassen werden. Auch sollten wir sie nicht davon ausschließen, in der Hoffnung, dass sie nichts davon mitbekommen. Medienpädagogik gehört verbindlich in den Unterricht und Jugendliche müssen Medienkompetenzen erlernen. Das tun sie nicht, in dem wir ihnen die sozialen Medien wegnehmen und sie entmündigen. Ein altersbasiertes Verbot lässt außerdem danach fragen, nach welchen Kriterien die Altersgrenze festgelegt wird? Denn viele Erwachsene, die selbst einen Jugendschutz einfordern, nutzen soziale Medien ebenfalls riskant und unreflektiert, in dem sie beispielsweise Inhalte über ihre Kinder veröffentlichen. Es braucht demnach allgemein mehr Aufklärung, statt Entmündigung.

Bevor wir also über Verbote sprechen, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir Kinder und Jugendlichen schützen und ihnen einen gesunden Umgang mit sozialen Medien beibringen können. Wir sollten sie ernst nehmen, ihren Rückzugsort und ihre Online-Freundschaften respektieren und sie in ihrem Entwicklungsprozess begleiten. Ein Ausbau von Medienkompetenzen aller Altersgruppen ist entscheidend, der in erster Linie durch Schulen, Fort- und Ausbildungen sowie Jugendarbeit und anderen medienpädagogischen Angeboten gewährleistet werden. Aus der Politik wünschen wir uns dahingehend mehr Unterstützung, sowie auch rechtliche und politische Rahmenbedingungen, in denen beispielsweise strafrechtliche Verfolgung von Cybermobbing und Hassrede klar geregelt und transparent kommuniziert wird. Ein wirksamer Schutz von Jugendlichen ist nur durch Befähigung, Begleitung und regulierte Rahmenbedingungen gegeben und nicht durch den Entzug sozialer Räume.

Quellen


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